Wissenswertes zu Depression, Angststörungen und Zwangsstörungen

Depression

Erfahren Sie mehr über  Symptome und Ursachen von Depressionen sowie über wirksame psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten

 

Angst & Panik

Erfahren Sie mehr zu Symptomen und Ursachen von Angststörungen, Panikattacken und Phobien sowie zu bewährten  Behandlungsmöglichkeiten

 

Zwangsstörungen

Erfahren Sie mehr über Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sowie über die Behandlung von Zwangsstörungen mit Verhaltenstherapie und Exposition 

Depression

Symptome, Ursachen und Behandlung

Eine Depression ist mehr als eine vorübergehende Phase von Traurigkeit oder Erschöpfung. Sie kann sich auf Stimmung, Antrieb, Denken, Schlaf, körperliches Befinden und soziale Beziehungen auswirken und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Dabei zeigt sich eine Depression nicht bei allen Menschen gleich: Während manche vor allem unter Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit leiden, stehen bei anderen Erschöpfung, innere Leere, Grübeln oder der Verlust von Interesse und Freude im Vordergrund. 

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und sind in der Regel gut behandelbar. Eine Psychotherapie kann dabei helfen, die individuellen Bedingungen zu verstehen, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Depression beitragen, und konkrete Veränderungen im Denken, Erleben und Verhalten anzustoßen.

Welche Symptome können bei einer Depression auftreten?

Zu den typischen Symptomen einer Depression gehören eine anhaltend gedrückte Stimmung, ein vermindertes Interesse an Dingen, die früher Freude bereitet haben, sowie ein deutlich reduzierter Antrieb. Selbst alltägliche Aufgaben können plötzlich unverhältnismäßig viel Kraft kosten. 

  • gedrückte Stimmung und Freudlosigkeit
  • ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung 
  • Schlafstörungen 
  • Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten 
  • starkes Grübeln
  • Gefühle von Wertlosigkeit, Schuld oder Versagen 
  • sozialer Rückzug 
  • verminderter Appetit oder verändertes Essverhalten 
  • innere Unruhe oder Verlangsamung 
  • Hoffnungslosigkeit und pessimistische Zukunftsgedanken 
  • vermindertes sexuelles Interesse 
  • suizidale Gedanken

Auch körperliche Beschwerden können im Vordergrund stehen. Deshalb wird eine Depression insbesondere dann nicht immer sofort erkannt, wenn Betroffene zunächst wegen Schlafproblemen, Schmerzen oder anhaltender Erschöpfung ärztliche Hilfe suchen.

 

Wie entsteht eine Depression?

Für die Entstehung einer Depression gibt es meist nicht die eine Ursache. Vielmehr wirken unterschiedliche biologische, psychologische und soziale Faktoren zusammen.

Belastende Lebensereignisse, chronischer Stress, zwischenmenschliche Konflikte oder Verlusterfahrungen können ebenso eine Rolle spielen wie erlernte Denk- und Verhaltensmuster oder eine individuelle Vulnerabilität. Auch längerfristige Erfahrungen beispielsweise ein stark leistungsorientierter Selbstwert, hohe Ansprüche an sich selbst oder Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und Grenzen zu setzen können unter bestimmten Bedingungen relevant werden. 

In der Psychotherapie geht es deshalb nicht darum, eine allgemeingültige Erklärung für Depressionen zu finden. Gemeinsam wird ein individuelles Erklärungsmodell entwickelt: Welche Bedingungen haben möglicherweise zur Erkrankung beigetragen? Was hält die depressive Symptomatik heute aufrecht? Und vor allem: An welchen Stellen lässt sich konkret etwas verändern?

 

Der Teufelskreis der Depression

Ein wichtiger Mechanismus ist häufig ein zunehmender Rückzug. Wer erschöpft, niedergeschlagen und antriebslos ist, reduziert verständlicherweise Aktivitäten und soziale Kontakte. Kurzfristig kann das entlastend wirken. Langfristig gehen dadurch jedoch zunehmend Erfahrungen verloren, die Freude, Erfolg, Verbundenheit oder Selbstwirksamkeit vermitteln könnten. 

Es entsteht ein Kreislauf: Weniger Aktivität führt zu weniger positiven Erfahrungen - die Stimmung verschlechtert sich - der Antrieb nimmt weiter ab - und der Rückzug verstärkt sich. 

Auch Grübeln kann diesen Kreislauf aufrechterhalten. Gedanken wie „Warum bekomme ich nichts mehr hin?“, „Was stimmt mit mir nicht?“ oder „Wie soll das jemals wieder besser werden?“ wirken zunächst wie der Versuch, ein Problem zu lösen. Tatsächlich führt anhaltendes depressives Grübeln jedoch häufig dazu, dass Betroffene gedanklich immer wieder um dieselben Fragen kreisen, ohne einer Lösung näherzukommen.

 

Wie wird eine Depression psychotherapeutisch behandelt?

Die kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den wissenschaftlich gut untersuchten Verfahren zur Behandlung depressiver Erkrankungen. Die konkrete Behandlung richtet sich dabei nach der individuellen Situation und den Faktoren, die die Depression aufrechterhalten. 

Ein wichtiger Bestandteil kann zunächst die schrittweise Wiederaufnahme hilfreicher Aktivitäten sein. Dabei geht es nicht um ein pauschales „mehr unternehmen“, sondern darum, gezielt wieder Erfahrungen von Freude, Kompetenz, Struktur und sozialer Verbundenheit zu ermöglichen. 

Weitere Schwerpunkte können der Umgang mit Grübeln und selbstabwertenden Gedanken, die Veränderung ungünstiger Verhaltensmuster, der Aufbau sozialer Aktivitäten, die Bearbeitung zwischenmenschlicher Schwierigkeiten oder ein hilfreicherer Umgang mit hohen Ansprüchen und Selbstkritik sein. 

Bei wiederkehrenden Depressionen spielt zudem die Rückfallprophylaxe eine wichtige Rolle. Ziel ist es, persönliche Frühwarnzeichen zu erkennen und Strategien zu entwickeln, mit denen einer erneuten depressiven Episode möglichst früh

Psychotherapie bei Depression in Berlin 

In meiner psychotherapeutischen Praxis in Berlin-Mitte behandle ich Erwachsene mit depressiven Erkrankungen auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die Diagnose, sondern das individuelle Verständnis dafür, wie die Depression entstanden ist, wodurch sie heute aufrechterhalten wird und welche konkreten Veränderungen für die jeweilige Person hilfreich sein können. 

Die Behandlung kann unter anderem Verhaltensaktivierung, die Arbeit mit belastenden Gedanken und Grundüberzeugungen, Strategien zum Umgang mit Grübeln sowie die Bearbeitung individueller biografischer und zwischenmenschlicher Muster umfassen.

 

Angststörungen

Symptome, Ursachen und Behandlung

Angst ist zunächst eine normale und wichtige Reaktion. Sie hilft uns, Gefahren wahrzunehmen und schnell zu reagieren. Bei einer Angststörung tritt Angst jedoch in Situationen auf, die objektiv nicht oder nur wenig gefährlich sind, oder sie nimmt ein Ausmaß an, das den Alltag zunehmend einschränkt. Betroffene beginnen häufig, bestimmte Situationen zu vermeiden, sich stark abzusichern oder ihren Alltag an der Angst auszurichten. 

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und sind in der Regel gut behandelbar. In der Psychotherapie geht es nicht darum, Angst vollständig zu beseitigen. Ziel ist vielmehr, einen anderen Umgang mit Angst zu entwickeln, Vermeidung und Sicherheitsverhalten abzubauen und wieder mehr Freiheit im eigenen Alltag zu gewinnen. 

 

Welche Angststörungen gibt es?

Angststörungen können sehr unterschiedlich aussehen. Gemeinsam ist ihnen, dass Angst und die Reaktionen darauf zunehmend das Erleben und Verhalten bestimmen.

  • Panikstörung: Wiederkehrende Panikattacken treten scheinbar unerwartet auf. Häufig entwickelt sich zusätzlich eine ausgeprägte Angst vor weiteren Attacken. 
  • Agoraphobie: Bestimmte Orte oder Situationen werden gefürchtet, weil eine Flucht schwierig erscheinen oder im Fall starker Angst keine schnelle Hilfe verfügbar sein könnte. 
  • Generalisierte Angststörung: Anhaltende und schwer kontrollierbare Sorgen beziehen sich auf unterschiedliche Lebensbereiche, beispielsweise Gesundheit, Familie, Arbeit oder Zukunft. Häufig gehen sie mit innerer Anspannung, Unruhe und dem Gefühl einher, gedanklich kaum abschalten zu können. 
  • Soziale Angststörung: Im Mittelpunkt steht die Angst, von anderen negativ bewertet, abgelehnt oder bloßgestellt zu werden. 
  • Spezifische Phobien: Die Angst richtet sich auf bestimmte Situationen oder Reize, beispielsweise Tiere, Höhen, Autofahren, medizinische Eingriffe oder Erbrechen (Eine ausgeprägte Angst vor dem Erbrechen wird als Emetophobie bezeichnet)
     

Wie äußert sich eine Angststörung?

Angststörungen zeigen sich nicht nur durch körperliche Angstsymptome. Angst beeinflusst gleichzeitig Gedanken, Gefühle, körperliche Reaktionen, Aufmerksamkeit und Verhalten. Welche Ebene im Vordergrund steht, unterscheidet sich je nach Angststörung und von Person zu Person. 

Gedanken und Befürchtungen

 Typisch sind Gedanken, in denen eine mögliche Gefahr überschätzt und die eigene Fähigkeit, mit ihr umzugehen, unterschätzt wird. Bei einer Panikstörung kannbeispielsweise die Befürchtung entstehen, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden oder körperlich ernsthaft erkrankt zu sein. Bei sozialer Angst stehen mögliche negative Bewertungen durch andere im Vordergrund. Bei einer generalisierten Angststörung sind es häufig wiederkehrende Sorgen über unterschiedliche Lebensbereiche. Viele Betroffene beschäftigen sich zudem schon lange vor einer Situation damit, was möglicherweise passieren könnte. 

Gefühle 

Neben akuter Angst oder Panik können Nervosität, innere Anspannung, Unsicherheit und ein dauerhaftes Gefühl von Bedrohung auftreten. Bei sozialer Angst spielen häufig auch Scham und starke Selbstunsicherheit eine Rolle. Angst muss dabei nicht immer als intensive Panik erlebt werden: Gerade bei chronischen Sorgen kann sie sich eher als anhaltende innere Unruhe und Unfähigkeit, gedanklich abzuschalten, zeigen.

Körperliche Reaktionen 

Die Aktivierung des körpereigenen Alarmsystems kann eine Vielzahl körperlicher Symptome auslösen. Dazu gehören beispielsweise: 

  • Herzklopfen oder beschleunigter Herzschlag 
  • Kurzatmigkeit, Engegefühl oder beschleunigte Atmung 
  • Schwindel, Benommenheit oder Unsicherheitsgefühle 
  • Zittern, Schwitzen, Hitzewallungen oder Frösteln
  • Übelkeit, Bauchbeschwerden oder andere Magen-Darm-Symptome 
  • Muskelanspannung, Kopfschmerzen oder Erschöpfung 
  • Gefühle von Unwirklichkeit oder Entfremdung 

Besonders bei Panikattacken können diese Reaktionen sehr plötzlich und intensiv auftreten. Werden körperliche Empfindungen selbst als gefährlich interpretiert, kann sich die Angst innerhalb kurzer Zeit weiter verstärken.

 Aufmerksamkeit und Wahrnehmung 

Angst verändert auch, worauf Menschen ihre Aufmerksamkeit richten. Mögliche Gefahren werden schneller wahrgenommen, während beruhigende oder widersprechende Informationen leichter in den Hintergrund treten. Manche Betroffene beobachten ihren Körper sehr genau, andere prüfen ständig ihre Umgebung oder die Reaktionen anderer Menschen. Diese erhöhte Wachsamkeit kann dazu führen, dass mehr scheinbare Hinweise auf Gefahr entdeckt werden - und die Angst dadurch zusätzlich plausibel erscheint. 

Vermeidung und Sicherheitsverhalten 

Besonders wichtig für das Verständnis von Angststörungen ist das Verhalten. Gefürchtete Situationen werden möglicherweise ganz vermieden, frühzeitig verlassen oder nur unter bestimmten Bedingungen aufgesucht. Andere Betroffene bewältigen sie zwar, nutzen dabei jedoch Sicherheitsstrategien: Sie lassen sich begleiten, kontrollieren ständig körperliche Symptome, suchen wiederholt Rückversicherung, planenFluchtmöglichkeiten, tragen bestimmte Hilfsmittel bei sich oder versuchen, jede Unsicherheit im Voraus auszuschließen. Solche Strategien sind nachvollziehbar und reduzieren die Angst häufig kurzfristig. Langfristig können sie jedoch verhindern, dass neue Erfahrungen gemacht werden. Die Überzeugung, die Situation sei tatsächlich gefährlich oder nur mithilfe der Sicherheitsstrategie zu bewältigen, bleibt dadurch bestehen.

 

Wie entstehen Angststörungen? 

Auch bei Angststörungen gibt es meist nicht die eine Ursache. Biologische Voraussetzungen, Lernerfahrungen, belastende Lebensereignisse, persönliche Bewertungen und aktuelle Belastungen können zusammenwirken. Entscheidend für die Behandlung ist häufig weniger die Frage, wodurch die Angst ursprünglich entstanden ist, als die Frage, was sie heute aufrechterhält. 

Ein zentraler Mechanismus ist dabei häufig Vermeidung oder der Versuch, Unsicherheit möglichst vollständig zu kontrollieren. Wird eine gefürchtete Situation vermieden, durch Sicherheitsverhalten abgesichert oder werden Sorgen immer wieder gedanklich überprüft, kann dies kurzfristig entlasten. Langfristig kann gerade diese Entlastung dazu beitragen, dass Angst und Sorgen bestehen bleiben. 

 

Der Teufelskreis der Angst 

Angst beginnt häufig mit einem Auslöser: einer Situation, einem körperlichen Gefühl oder einem Gedanken. Dieser wird als bedrohlich bewertet. Der Körper reagiert mit Aktivierung, die Aufmerksamkeit richtet sich stärker auf mögliche Gefahr, und die körperlichen Empfindungen werden intensiver wahrgenommen. Werden diese wiederum als Zeichen einer drohenden Katastrophe interpretiert, verstärkt sich die Angst weiter. 

Auslöser - bedrohliche Bewertung - körperliche Angstreaktion - verstärkte Aufmerksamkeit - zunehmende Angst - Vermeidung oder Sicherheitsverhalten. 

Die kurzfristige Erleichterung durch Vermeidung oder Absicherung kann den Kreislauf langfristig stabilisieren. Die korrigierende Erfahrung, dass die Situation bewältigt werden kann und Befürchtungen nicht zwangsläufig eintreten, bleibt aus. 

 

Wie werden Angststörungen psychotherapeutisch behandelt? 

Die kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den wissenschaftlich gut untersuchten Verfahren zur Behandlung von Angststörungen. Die Behandlung wird an die jeweilige Angstproblematik und die individuellen aufrechterhaltenden Faktoren angepasst. 

Bei Panikstörung, Agoraphobie und spezifischen Phobien ist die Expositionstherapie häufig ein zentraler Bestandteil. Dabei setzen sich Betroffene gezielt mit gefürchteten Situationen oder Empfindungen auseinander, anstatt ihnen auszuweichen. Entscheidend ist nicht, Angst möglichst schnell zu reduzieren. Vielmehr können neue Erfahrungen entstehen: Angst darf vorhanden sein, muss nicht kontrolliert werden und eine befürchtete Katastrophe tritt nicht zwangsläufig ein. 

Bei einer generalisierten Angststörung können unter anderem der Umgang mit anhaltendem Sorgen, die Veränderung von Überzeugungen über Sorgen, ein anderer Umgang mit Unsicherheit und der Abbau von Rückversicherungs- und Kontrollstrategien im Mittelpunkt stehen. Je nach Problematik können zusätzlich bedrohliche Bewertungen sowie individuelle biografische oder zwischenmenschliche Muster bearbeitet werden. 

 

Psychotherapie bei Angststörungen und Panikattacken in Berlin 

In meiner psychotherapeutischen Praxis in Berlin-Mitte behandle ich Erwachsene mit Angststörungen, darunter Panikstörung, Agoraphobie, generalisierte Angststörung und spezifische Phobien wie Emetophobie, auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der konkreten Arbeit mit Vermeidung und Sicherheitsverhalten sowie auf individuell geplanten Expositionsübungen. 

Ziel der Behandlung ist nicht ein Leben ohne Angst. Vielmehr geht es darum, dass Angst ihren bestimmenden Einfluss verliert und Situationen wieder danach entschieden werden können, was einem Menschen wichtig ist - und nicht danach, was die Angst erlaubt.


 

Zwangsstörungen

Zwangsgedanken, Zwangshandlungen und Behandlung

Fast jeder Mensch kennt Gedanken wie „Habe ich die Tür wirklich abgeschlossen?“ oder den Impuls, etwas noch einmal zu kontrollieren. Auch unerwünschte, merkwürdige oder erschreckende Gedanken kommen bei psychisch gesunden Menschen vor. Bei einer Zwangsstörung bekommen solche Gedanken, Zweifel oder Handlungsimpulse jedoch eine besondere Bedeutung. Sie lösen starke Anspannung, Angst, Ekel oder Unsicherheit aus und führen häufig zu dem Gefühl, etwas tun zu müssen, um die befürchtete Gefahr abzuwenden oder endlich Sicherheit zu bekommen. 

Zwangsstörungen können sehr unterschiedliche Formen annehmen. Manche Betroffene kontrollieren wiederholt Türen, Elektrogeräte oder ihre eigenen Handlungen. Andere waschen oder reinigen sich aus Angst vor Verunreinigung. Wieder andere leiden fast ausschließlich unter belastenden Zwangsgedanken und mentalen Ritualen, die für Außenstehende kaum sichtbar sind. 

Gemeinsam ist diesen Erscheinungsformen ein Mechanismus: Der Versuch, Zweifel und unangenehme Gefühle durch Kontrolle, Vermeidung, Rückversicherung oder Rituale zu beseitigen, bringt kurzfristig Erleichterung - trägt langfristig jedoch dazu bei, dass der Zwang bestehen bleibt.
 

Was sind Zwangsgedanken?

Zwangsgedanken sind wiederkehrende Gedanken, Vorstellungen oder Impulse, die sich aufdrängen und als unerwünscht erlebt werden. Häufig widersprechen sie gerade den eigenen Werten und Überzeugungen. Deshalb können sie besonders verstörend sein. Zwangsgedanken können sich beispielsweise um die Befürchtung drehen, 

  • sich oder anderen Menschen etwas anzutun, 
  • für einen Unfall oder ein Unglück verantwortlich zu sein, 
  • sich mit einer Krankheit oder gefährlichen Substanz anzustecken, 
  • einen schwerwiegenden Fehler gemacht zu haben, 
  • etwas Unmoralisches oder gesellschaftlich Unakzeptables zu denken oder zu tun, 
  • die eigene sexuelle Orientierung oder Identität nicht sicher zu kennen, 
  • den Partner oder die Partnerin möglicherweise nicht wirklich zu lieben, 
  • etwas Wichtiges vergessen oder übersehen zu haben. 

Gerade aggressive, sexuelle oder moralisch belastende Zwangsgedanken können mit erheblicher Scham verbunden sein. Viele Betroffene fragen sich, warum sie einen solchen Gedanken überhaupt haben und was dieser Gedanke über sie aussagt. 

Ein wesentlicher therapeutischer Schritt besteht darin, Gedanken wieder als das einordnen zu lernen, was sie sind: mentale Ereignisse - nicht automatisch Absichten, Wünsche oder Vorhersagen.Das Problem ist bei einer Zwangsstörung häufig nicht das Auftreten eines bestimmten Gedankens. Entscheidend ist vielmehr, welche Bedeutung ihm gegeben wird und welche Reaktionen anschließend folgen.

Was sind Zwangshandlungen? 

Zwangshandlungen sind wiederholte Verhaltensweisen, mit denen Betroffene versuchen, Angst, Anspannung oder Unsicherheit zu reduzieren oder eine befürchtete Konsequenz zu verhindern. 

Typische Zwangshandlungen sind beispielsweise: 

  • wiederholtes Kontrollieren von Türen, Fenstern oder Elektrogeräten, 
  • übermäßiges Waschen, Duschen oder Reinigen, • Ordnen oder Ausrichten von Gegenständen, 
  • Zählen oder Wiederholen bestimmter Handlungen, 
  • wiederholtes Nachfragen und Einholen von Rückversicherung, 
  • mehrfaches Lesen, Prüfen oder Korrigieren, 
  • Vermeiden bestimmter Gegenstände, Orte oder Situationen. 

Zwangshandlungen müssen dabei für Außenstehende nicht sichtbar sein.

Mentale Zwänge: Wenn der Zwang im Kopf stattfindet 

Ein besonders wichtiger und häufig übersehener Bereich sind mentale Zwangshandlungen. Betroffene analysieren beispielsweise immer wieder, ob ein Gedanke etwas über ihre Persönlichkeit aussagt, überprüfen Erinnerungen, rekonstruieren vergangene Situationen, vergleichen Gefühle oder versuchen innerlich, absolute Gewissheit über eine Frage herzustellen. 

Auch innerliches Zählen, Wiederholen bestimmter Sätze, Neutralisieren unerwünschter Gedanken oder das gedankliche Ersetzen eines „schlechten“ Gedankens durch einen „guten“ Gedanken können Zwangshandlungen sein. 

Von außen kann es dann so wirken, als habe die Person „nur viele Gedanken“. Tatsächlich läuft jedoch ein erheblicher Teil des zwanghaften Verhaltens unsichtbar im Kopf ab. Gerade deshalb ist es in der Therapie wichtig, nicht nur nach offensichtlichen Ritualen zu fragen, sondern genau zu verstehen, was eine Person tut, sobald Unsicherheit oder ein Zwangsgedanke auftaucht. 

Warum fühlen sich Zwangsgedanken so real und bedeutsam an? 

Menschen mit einer Zwangsstörung überschätzen häufig die Bedeutung bestimmter Gedanken oder die eigene Verantwortung für mögliche negative Ereignisse. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, ein normales Maß an Unsicherheit auszuhalten. Ein Gedanke wie „Vielleicht habe ich die Tür nicht abgeschlossen“ kann dadurch nicht einfach als Möglichkeit stehen bleiben. Es entsteht das dringende Bedürfnis, Gewissheit herzustellen. 

Ähnlich kann ein unerwünschter aggressiver Gedanke die Frage auslösen: „Was, wenn ich so etwas wirklich tun könnte?“ Anschließend beginnt möglicherweise eine intensive Suche nach Beweisen dafür, dass dies niemals passieren wird. 

Das Problem: Absolute Sicherheit lässt sich nicht herstellen. 

Je stärker versucht wird, einen letzten Rest von Zweifel zu beseitigen, desto relevanter erscheint der Zweifel. Die Suche nach Gewissheit kann dadurch selbst zum Bestandteil der Zwangsstörung werden. 

 

Der Teufelskreis der Zwangsstörung 

Zwangsstörungen werden häufig durch einen charakteristischen Lernprozess aufrechterhalten. 

Ein Gedanke, ein Bild, ein körperliches Gefühl oder eine Situation löst Unsicherheit, Angst oder Ekel aus. Die Situation wird als gefährlich oder bedeutsam bewertet. Darauf folgt eine Zwangshandlung, Rückversicherung, Vermeidung oder ein mentales Ritual. 

Die Anspannung sinkt. 

Genau diese Erleichterung ist entscheidend: Das Gehirn lernt scheinbar, dass die Zwangshandlung notwendig war.

 Auslöser - Zwangsgedanke oder Zweifel - Angst/Anspannung - Ritual oder Rückversicherung - kurzfristige Erleichterung - langfristige Verstärkung des Zwangs. 

Beim nächsten Auftreten des Zweifels wird der Drang, erneut zu kontrollieren oder sich abzusichern, dadurch häufig noch stärker. 

Was kurzfristig hilft, wird langfristig zum Problem. 

 

Vermeidung und Rückversicherung 

Nicht jede Zwangsstörung zeigt sich durch klassische Rituale. Häufig verändern Betroffene ihren Alltag zunehmend, um Zwangsgedanken gar nicht erst auszulösen. 

Menschen mit aggressiven Zwangsgedanken vermeiden möglicherweise Messer oder Situationen, in denen sie mit anderen allein wären. Bei Kontaminationsängsten werden bestimmte Orte oder Gegenstände gemieden. Bei beziehungsbezogenen Zwangsgedanken können Gefühle gegenüber dem Partner ständig überprüft oder Beziehungen mit anderen verglichen werden. 

Auch Rückversicherung kann zu einem zentralen Bestandteil der Zwangsstörung werden: „Bist du sicher, dass ich nichts falsch gemacht habe?“, „Meinst du, dass das gefährlich ist?“ oder „Würde ein schlechter Mensch so etwas denken?“

 Antworten beruhigen meist kurzfristig. Die nächste Unsicherheit kommt jedoch häufig wieder - und verlangt nach einer neuen Antwort. 

 

Wie wird eine Zwangsstörung behandelt? 

Die kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsmanagement (ERP) gehört zu den zentralen wissenschaftlich untersuchten psychotherapeutischen Behandlungen von Zwangsstörungen. 

Bei der Exposition setzen sich Betroffene gezielt mit Situationen, Gedanken oder Unsicherheiten auseinander, die normalerweise Zwangsverhalten auslösen würden. Entscheidend ist das Reaktionsmanagement: Die gewohnte Zwangshandlung wird nicht oder zunehmend weniger ausgeführt. 

Das kann beispielsweise bedeuten, eine Tür einmal abzuschließen und anschließend nicht erneut zu kontrollieren. Eine als verunreinigt erlebte Oberfläche wird berührt, ohne anschließend das übliche Waschritual durchzuführen. Bei überwiegend gedanklichen Zwängen kann die Exposition darin bestehen, einen belastenden Gedanken oder eine ungelöste Unsicherheit bewusst stehen zu lassen, ohne sie anschließend durch Grübeln, Analysieren oder Rückversicherung zu neutralisieren. 

 

Bei Exposition geht es nicht einfach darum, Angst auszuhalten 

Exposition wird manchmal so verstanden, als müsse man lange genug in einer Situation bleiben, bis die Angst verschwindet. Moderne verhaltenstherapeutische Ansätze gehen darüber hinaus. 

Entscheidend sind neue Lernerfahrungen. 

Eine Person kann beispielsweise lernen: 

  • „Ich kann Unsicherheit erleben, ohne kontrollieren zu müssen.“ 
  • „Ein Gedanke kann vorhanden sein, ohne dass ich ihn klären muss.“ 
  • „Ich kann Angst und Zweifel aushalten und trotzdem weiterhandeln.“
  •  „Ich brauche keine hundertprozentige Gewissheit, um eine Entscheidung zu treffen.“ 

Damit verändert sich schrittweise die Beziehung zu Zwangsgedanken und Unsicherheit. Das Ziel besteht nicht darin, niemals wieder einen unerwünschten Gedanken zu haben. Ziel ist, nicht mehr auf jeden Gedanken reagieren zu müssen.

 

 Psychotherapie bei Zwangsstörungen in Berlin 

In meiner psychotherapeutischen Praxis in Berlin-Mitte behandle ich Erwachsene mit Zwangsstörungen auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Exposition mit Reaktionsmanagement (ERP).

 Zu Beginn der Behandlung wird gemeinsam genau analysiert, wie der individuelle Zwang funktioniert: Welche Situationen oder Gedanken lösen Unsicherheit aus? Welche Befürchtungen stehen dahinter? Welche sichtbaren oder mentalen Rituale, Vermeidungsstrategien und Rückversicherungen folgen darauf? 

Auf dieser Grundlage werden individuell passende Expositionsübungen entwickelt. Diese können - wenn therapeutisch sinnvoll - nicht nur im Therapieraum, sondern auch direkt in relevanten Alltagssituationen stattfinden.

Dabei geht es nicht darum, Betroffene möglichst stark zu ängstigen oder sie zu etwas zu zwingen. Ziel ist vielmehr, gezielt die Erfahrungen zu ermöglichen, die der bisherige Umgang mit der Angst verhindert hat. 

Langfristig soll nicht der Zwang darüber entscheiden, was getan, vermieden, kontrolliert oder überprüft werden muss. Ziel ist ein zunehmend selbstbestimmter Umgang mit Gedanken, Gefühlen und Unsicherheit - auch dann, wenn der Zwang keine vollständige Sicherheit verspricht.

 

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