Körperdysmorphe Störung verstehen und behandeln

Die Körperdysmorphe Störung (Dysmorphophobie) ist durch eine intensive Beschäftigung mit vermeintlichen Makeln des eigenen Aussehens gekenntzeichnet, die für andere Menschen meist kaum oder gar nicht erkennbar sind. Häufige Spiegelkontrollen, Vergleiche mit anderen, Rückversicherungsberhalten und die Vermeidung sozialer Situationen können die Belastung verstärken und die Bescherden langfristig aufrechterhalten.

In meiner Privatpraxis in Berlin-Mitte behandele ich die Körperdysmorphe Störung verhaltenstherapeutisch mit einem besonderen Schwerpunkt auf Exposition und dem Abbau von Sicherheitsverhalten.

Körperdysmorphe Störung (Dysmorphophobie) verstehen und behandeln

Symptome, Ursachen und Behandlung

Die körperdysmorphe Störung (KDS), auch Dysmorphophobie genannt, ist durch eine intensive und häufig sehr belastende Beschäftigung mit dem eigenen Aussehen gekennzeichnet. Betroffene nehmen bestimmte Körpermerkmale als fehlerhaft, entstellt oder unattraktiv wahr, obwohl die vermeintlichen Makel für andere Menschen meist nicht oder nur geringfügig erkennbar sind.

Die Sorge um das eigene Aussehen kann zunehmend den Alltag bestimmen. Häufiges Kontrollieren im Spiegel, Vergleiche mit anderen, das Verbergen vermeintlicher Makel oder die Vermeidung sozialer Situationen können kurzfristig Erleichterung verschaffen, langfristig jedoch die Beschwerden verstärken.

Die körperdysmorphe Störung ist eine ernst zu nehmende, psychotherapeutisch behandelbare Erkrankung. Besonders gut untersucht ist die störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie, zu deren wichtigen Bestandteilen die Exposition mit Reaktionsmanagement gehört.

Was ist eine körperdysmorphe Störung?

Fast jeder Mensch kennt Phasen, in denen er mit seinem Aussehen unzufrieden ist. Einzelne Körpermerkmale können als störend empfunden werden, ohne dass daraus eine psychische Erkrankung entsteht.

Bei einer körperdysmorphen Störung geht die Beschäftigung mit dem Aussehen jedoch weit über gewöhnliche Unzufriedenheit hinaus. Einzelne Merkmale werden als schwerwiegende Makel erlebt und erhalten eine übermäßige Bedeutung für den eigenen Selbstwert, die soziale Akzeptanz oder das persönliche Lebensglück.

Häufig richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Gesicht, beispielsweise die Haut, Nase, Haare oder Gesichtsform. Grundsätzlich kann jedoch nahezu jede Körperregion betroffen sein. Manche Menschen beschäftigen sich mit mehreren vermeintlichen Makeln gleichzeitig oder wechseln im Verlauf zwischen unterschiedlichen Körpermerkmalen.

Die Gedanken an das eigene Aussehen sind häufig schwer zu unterbrechen und können täglich mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Betroffene erleben dabei oftmals intensive Scham, Angst, Ekel, Anspannung oder Niedergeschlagenheit.

Entscheidend ist nicht, ob ein bestimmtes Körpermerkmal objektiv vorhanden ist. Ausschlaggebend sind vielmehr die übermäßige gedankliche Beschäftigung, wiederkehrende Kontroll- oder Vergleichshandlungen und die daraus entstehenden Belastungen und Einschränkungen.


Wie zeigt sich eine körperdysmorphe Störung?

Die Beschwerden können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Betroffene verbringen viel Zeit vor dem Spiegel, andere vermeiden Spiegel oder Fotografien möglichst vollständig. Auch scheinbar gegensätzliche Verhaltensweisen können dazu dienen, mit der Angst vor dem eigenen Aussehen umzugehen.

Typische Anzeichen sind beispielsweise:

- Intensive Beschäftigung mit vermeintlichen Makeln des Gesichts oder Körpers
- Wiederholtes Betrachten und Kontrollieren des eigenen Aussehens im Spiegel
- Vermeidung von Spiegeln, Fotografien oder Videoaufnahmen
- Häufiges Vergleichen des eigenen Aussehens mit anderen Menschen
- Wiederholtes Fotografieren, Vergrößern oder Überprüfen bestimmter Körpermerkmale
- Ausgeprägtes Kaschieren durch Kleidung, Make-up, Frisuren oder bestimmte Körperhaltungen
- Wiederholtes Einholen von Rückversicherung über das eigene Aussehen
- Intensive Beschäftigung mit kosmetischen oder medizinisch-ästhetischen Eingriffen
- Vermeidung sozialer Kontakte, beruflicher Situationen oder öffentlicher Auftritte
- Starke Scham, Selbstabwertung und die Befürchtung, von anderen negativ beurteilt zu werden

Häufig entwickeln Betroffene umfangreiche Strategien, um vermeintliche Makel zu kontrollieren oder zu verbergen. Diese können so selbstverständlich werden, dass sie zunächst nicht als Teil der Erkrankung erkannt werden.

Nicht selten bleibt die körperdysmorphe Störung über längere Zeit unerkannt. Aus Scham sprechen Betroffene ihre Sorgen möglicherweise nicht an oder suchen zunächst ausschließlich nach Möglichkeiten, ihr Aussehen zu verändern.



Warum wird das eigene Aussehen so negativ wahrgenommen?

Aufmerksamkeit, Bewertung und Selbstbild

Bei einer körperdysmorphen Störung richtet sich die Aufmerksamkeit häufig besonders stark auf einzelne Details des eigenen Aussehens.

Während andere Menschen ein Gesicht oder einen Körper eher als Gesamteindruck wahrnehmen, konzentrieren sich Betroffene möglicherweise intensiv auf eine vermeintliche Unregelmäßigkeit, eine Asymmetrie oder eine bestimmte Hautstruktur.

Durch diese selektive Aufmerksamkeit erhält das betreffende Merkmal eine immer größere Bedeutung.

Hinzu kommen häufig negative Bewertungen wie:

„Meine Nase ist völlig entstellt.“

„Alle anderen sehen, wie schlimm meine Haut aussieht.“

„Wenn ich so aussehe, kann mich niemand attraktiv finden.“

„Ich kann erst zufrieden sein, wenn dieser Makel verschwunden ist.“

Solche Bewertungen werden oftmals als unmittelbare Tatsachen erlebt, nicht als Gedanken oder persönliche Einschätzungen.

Die eigene Wahrnehmung erscheint dadurch besonders überzeugend. Rückmeldungen anderer Menschen, die den vermeintlichen Makel nicht erkennen oder als unauffällig beschreiben, können häufig nur kurzfristig beruhigen.

Wichtig ist dabei: Die körperdysmorphe Störung bedeutet nicht, dass Betroffene bewusst übertreiben oder sich ihre Belastung lediglich einbilden. Das subjektive Erleben kann außerordentlich intensiv und überzeugend sein.

Psychotherapeutisch geht es deshalb nicht darum, Menschen von ihrer Attraktivität zu überzeugen. Vielmehr wird untersucht, wie Aufmerksamkeit, Bewertungen und bestimmte Verhaltensweisen dazu beitragen, dass die Beschäftigung mit dem Aussehen immer mehr Raum einnimmt.
 


Der Teufelskreis der körperdysmorphen Störung

Ein wichtiger Bestandteil der Erkrankung sind wiederkehrende Verhaltensweisen, mit denen Betroffene versuchen, ihre Unsicherheit oder Anspannung zu reduzieren.

Ausgangspunkt kann beispielsweise ein Blick in den Spiegel, eine Fotografie oder die Begegnung mit einer anderen Person sein.

Ein bestimmtes Körpermerkmal fällt auf und wird als besonders negativ bewertet. Daraufhin entstehen Scham, Angst oder die Befürchtung, von anderen Menschen abgelehnt oder abgewertet zu werden.

Um diese Gefühle zu reduzieren, wird das Aussehen möglicherweise erneut kontrolliert, kaschiert oder mit anderen verglichen. Manche Menschen bitten Angehörige um Rückversicherung, andere vermeiden die befürchtete Situation vollständig.

Kurzfristig können diese Strategien Erleichterung verschaffen.

Langfristig bleibt jedoch die Vorstellung bestehen, dass der vermeintliche Makel eine erhebliche Bedrohung darstellt und kontrolliert oder verborgen werden muss.

So entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf:

Auslöser → Aufmerksamkeit auf einen vermeintlichen Makel → negative Bewertung → Scham oder Angst → Kontrolle, Kaschieren, Rückversicherung oder Vermeidung → kurzfristige Erleichterung → langfristige Aufrechterhaltung der Beschwerden.

Je häufiger diese Strategien eingesetzt werden, desto schwieriger kann es werden, das eigene Aussehen wahrzunehmen, ohne unmittelbar darauf reagieren zu müssen.

Die kurzfristige Erleichterung trägt somit unbeabsichtigt dazu bei, dass die Problematik bestehen bleibt.



Warum helfen Spiegelkontrollen und Rückversicherung langfristig nicht?

Wiederholte Spiegelkontrollen sollen häufig Gewissheit darüber herstellen, wie ein bestimmtes Körpermerkmal tatsächlich aussieht.

Doch das Ergebnis hängt unter anderem von Beleuchtung, Blickwinkel, Abstand, Stimmung und Aufmerksamkeit ab. Je intensiver nach Auffälligkeiten gesucht wird, desto mehr Einzelheiten können ins Bewusstsein treten.

Die Kontrolle führt deshalb nicht zwangsläufig zu größerer Sicherheit. Stattdessen entstehen möglicherweise neue Zweifel und der Wunsch, noch einmal genauer hinzusehen.

Ähnliches gilt für Rückversicherungen durch andere Menschen.

Wenn eine nahestehende Person bestätigt, dass ein vermeintlicher Makel nicht auffällt, kann dies zunächst beruhigen. Die Erleichterung hält jedoch häufig nicht lange an.

Schon bald entstehen neue Fragen:

„Hat die Person das nur gesagt, um mich nicht zu verletzen?“

„Vielleicht hat sie nicht genau hingesehen.“

„Was ist, wenn andere Menschen es ganz anders wahrnehmen?“

Die wiederholte Suche nach Bestätigung kann dadurch selbst zu einem aufrechterhaltenden Faktor werden.

Auch das Verbergen vermeintlicher Makel verhindert häufig wichtige neue Erfahrungen. Wer beispielsweise nur mit aufwendig kaschiertem Gesicht das Haus verlässt, kann schwer überprüfen, was tatsächlich geschieht, wenn auf diese Sicherheitsstrategie verzichtet wird.



Welche Rolle spielen Scham und Selbstwert?

Bei vielen Menschen mit körperdysmorpher Störung ist das eigene Aussehen eng mit dem Selbstwertgefühl verbunden.

Bestimmte Körpermerkmale werden dann nicht nur als unattraktiv bewertet, sondern erhalten eine umfassendere Bedeutung für die eigene Person.

Aus „Ich mag meine Haut nicht“ kann beispielsweise die Überzeugung entstehen: „Mit diesem Aussehen bin ich weniger wert.“

Häufig gehen damit intensive Schamgefühle und die Befürchtung einher, von anderen Menschen negativ beurteilt oder zurückgewiesen zu werden. Die Beschäftigung mit dem Aussehen kann dadurch zu einem Versuch werden, soziale Akzeptanz, Anerkennung oder persönliche Sicherheit herzustellen.

In der Psychotherapie kann es deshalb sinnvoll sein, auch übergeordnete Überzeugungen über den eigenen Wert, Attraktivität, Anerkennung und Ablehnung zu untersuchen.

Dabei geht es nicht darum, die Bedeutung des Aussehens grundsätzlich zu bestreiten. Vielmehr soll das Selbstwertgefühl weniger stark von einzelnen körperlichen Merkmalen und deren vermeintlicher Bewertung durch andere Menschen abhängig werden.



Wie entsteht eine körperdysmorphe Störung?

Für die Entstehung einer körperdysmorphen Störung gibt es in der Regel keine einzelne Ursache.

Vielmehr wird von einem Zusammenwirken unterschiedlicher biologischer, psychologischer und sozialer Einflussfaktoren ausgegangen.

Eine Rolle spielen können beispielsweise eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber negativer Bewertung, perfektionistische Ansprüche an das eigene Aussehen, bestimmte Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsprozesse sowie belastende Erfahrungen mit Kritik, Zurückweisung oder Hänseleien.

Auch gesellschaftliche Schönheitsideale und der ständige Vergleich mit bearbeiteten oder idealisierten Bildern können die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen verstärken.

Solche Einflüsse erklären jedoch nicht allein, warum eine körperdysmorphe Störung entsteht. Viele Menschen erleben vergleichbare Belastungen, ohne eine entsprechende Erkrankung zu entwickeln.

In der Psychotherapie kann deshalb gemeinsam untersucht werden, welche persönlichen Erfahrungen zur Entwicklung der Problematik beigetragen haben und welche Bedingungen sie heute aufrechterhalten.

Besonders wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen möglichen Entstehungsbedingungen und den aktuellen Mechanismen der Erkrankung.

Auch wenn bestimmte Erfahrungen zur Entwicklung negativer Überzeugungen über das eigene Aussehen beigetragen haben, wird die Symptomatik häufig durch gegenwärtige Kontrollhandlungen, Vermeidung und selektive Aufmerksamkeit aufrechterhalten.



Wie wird die körperdysmorphe Störung behandelt?

Die störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den wissenschaftlich am besten untersuchten psychotherapeutischen Behandlungsverfahren bei körperdysmorpher Störung.

Zu Beginn der Behandlung werden die individuellen Beschwerden und ihre aufrechterhaltenden Mechanismen gemeinsam untersucht.

Dabei stehen beispielsweise folgende Fragen im Mittelpunkt:

- Welche Körpermerkmale werden als besonders belastend erlebt?
- Welche Gedanken und Befürchtungen entstehen in bestimmten Situationen?
- Welche Bedeutung hat das Aussehen für den eigenen Selbstwert?
- Welche Kontroll-, Vergleichs- und Vermeidungsstrategien werden eingesetzt?
- Welche kurzfristigen und langfristigen Folgen haben diese Verhaltensweisen?

Auf dieser Grundlage wird ein individuelles Erklärungs- und Behandlungskonzept entwickelt.

Zu den möglichen Bestandteilen der Therapie gehören die Veränderung dysfunktionaler Bewertungen, die Arbeit an Aufmerksamkeitsprozessen, Verhaltensexperimente, Exposition mit Reaktionsmanagement sowie die Bearbeitung von Scham und aussehensbezogenen Selbstwertüberzeugungen.



Exposition mit Reaktionsmanagement bei körperdysmorpher Störung

Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist die Exposition mit Reaktionsmanagement. Dabei setzen sich Betroffene gezielt mit Situationen auseinander, die bislang aufgrund ihrer aussehensbezogenen Befürchtungen vermieden wurden.

Das kann beispielsweise bedeuten, ohne aufwendiges Kaschieren das Haus zu verlassen, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen, sich fotografieren zu lassen oder sich in Situationen zu begeben, in denen das eigene Aussehen möglicherweise von anderen wahrgenommen wird.

Entscheidend ist, dass die bisherigen Sicherheitsstrategien während der Übungen möglichst reduziert werden.

Dazu gehören beispielsweise wiederholte Spiegelkontrollen, das ständige Überprüfen des eigenen Aussehens, Rückversicherung oder das gedankliche Vergleichen mit anderen.

Die Exposition wird individuell vorbereitet und an die persönlichen Befürchtungen angepasst.

Ziel ist nicht, Betroffene davon zu überzeugen, dass sie besonders attraktiv aussehen oder von anderen Menschen niemals negativ bewertet werden.

Vielmehr sollen neue Lernerfahrungen entstehen:

„Ich kann mich zeigen, ohne mein Aussehen ständig kontrollieren zu müssen.“

„Ich kann Scham oder Unsicherheit erleben, ohne mich zurückzuziehen.“

„Ich muss nicht sicher wissen, wie andere mein Aussehen beurteilen.“

„Mein Leben kann sich wieder um mehr drehen als um die Beschäftigung mit meinem Aussehen.“

Neue Lernerfahrungen statt ständiger Kontrolle

Expositionstherapie wird häufig mit dem Gedanken verbunden, dass Angst durch wiederholte Konfrontation allmählich abnimmt.

Eine solche Gewöhnung kann auftreten, ist jedoch nicht das einzige und auch nicht das entscheidende Ziel.

Im Mittelpunkt steht vielmehr, bisherige Erwartungen und Überzeugungen durch neue Erfahrungen zu überprüfen und einen flexibleren Umgang mit unangenehmen Gefühlen und Unsicherheit zu entwickeln.

Betroffene können lernen, dass sie sich auch ohne aufwendige Kontrolle oder Vermeidung in sozialen Situationen bewegen und ihren Alltag gestalten können.
Gleichzeitig verlieren vermeintliche Makel möglicherweise zunehmend ihre übergeordnete Bedeutung.



Veränderung der Körperwahrnehmung und Aufmerksamkeit

Neben der Exposition kann auch die Art und Weise, wie das eigene Aussehen betrachtet und bewertet wird, therapeutisch bearbeitet werden. Menschen mit körperdysmorpher Störung richten ihre Aufmerksamkeit häufig sehr detailliert auf einzelne Körpermerkmale und bewerten diese besonders kritisch.

In der Therapie können Übungen helfen, diese selektive Aufmerksamkeit zu verändern und das eigene Aussehen weniger wertend wahrzunehmen.Dazu gehören beispielsweise strukturierte Spiegelübungen, bei denen eine möglichst sachliche und ganzheitliche Betrachtung des eigenen Körpers eingeübt wird.

Ziel ist nicht, ein bestimmtes Schönheitsideal zu erreichen oder das eigene Aussehen grundsätzlich positiv bewerten zu müssen. Vielmehr soll die ständige kritische Überprüfung einzelner Merkmale reduziert werden.



Arbeit an Scham, Selbstkritik und Selbstwert

Bei ausgeprägter Scham oder Selbstabwertung können weitere therapeutische Interventionen sinnvoll sein.

Dazu gehören beispielsweise die Bearbeitung negativer Grundüberzeugungen, die Förderung eines mitfühlenderen Umgangs mit sich selbst und die Auseinandersetzung mit belastenden biografischen Erfahrungen.

Wenn frühere Situationen von Beschämung, Abwertung oder Zurückweisung eine wichtige Rolle spielen, können auch imaginative Verfahren zur Bearbeitung solcher Erinnerungen eingesetzt werden.

Diese Interventionen ergänzen die störungsspezifische Behandlung und orientieren sich an den individuellen Bedürfnissen und aufrechterhaltenden Bedingungen.



Warum führen kosmetische Eingriffe häufig nicht zur erhofften Erleichterung?

Viele Menschen mit körperdysmorpher Störung hoffen, dass eine Veränderung des vermeintlichen Makels ihre psychische Belastung dauerhaft beseitigt. Deshalb werden mitunter dermatologische Behandlungen, kosmetische Maßnahmen oder operative Eingriffe in Betracht gezogen.

Bei einer körperdysmorphen Störung liegt das zentrale Problem jedoch nicht allein in einem bestimmten äußeren Merkmal, sondern in der intensiven gedanklichen Beschäftigung, den negativen Bewertungen und den damit verbundenen Verhaltensmustern.

Selbst wenn ein Körpermerkmal verändert wird, kann die Unzufriedenheit bestehen bleiben oder sich auf andere Merkmale verlagern. Kosmetische Eingriffe sind deshalb keine etablierte Behandlung der körperdysmorphen Störung und führen häufig nicht zur erhofften dauerhaften Verbesserung der psychischen Beschwerden.

Bei entsprechendem Verdacht ist es sinnvoll, vor einem geplanten Eingriff eine fachliche psychotherapeutische oder psychiatrische Abklärung vorzunehmen.



Körperdysmorphe Störung oder gewöhnliche Unzufriedenheit mit dem Aussehen?

Nicht jede Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist Ausdruck einer körperdysmorphen Störung.

Entscheidend sind insbesondere das Ausmaß der gedanklichen Beschäftigung, die damit verbundenen wiederholten Verhaltensweisen und die Auswirkungen auf den Alltag.

Wenn Gedanken an das eigene Aussehen täglich viel Zeit beanspruchen, erhebliche Scham oder Angst auslösen und soziale Kontakte, Arbeit, Partnerschaft oder Freizeit zunehmend beeinträchtigen, kann eine diagnostische Abklärung sinnvoll sein.

Dabei ist auch die Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen wichtig.

Bei einer Essstörung kann beispielsweise die Beschäftigung mit Gewicht und Körperform im Vordergrund stehen. Bei sozialer Angst beziehen sich Befürchtungen häufig allgemeiner auf negative Bewertungen durch andere Menschen.

Diese Beschwerden können sich überschneiden oder gemeinsam auftreten. Eine sorgfältige Diagnostik hilft dabei, die individuellen Schwierigkeiten einzuordnen und eine passende Behandlung zu planen.



Psychotherapie bei körperdysmorpher Störung in Berlin-Mitte

In meiner Privatpraxis für Psychotherapie in Berlin-Mitte behandle ich Erwachsene mit körperdysmorpher Störung auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie.

Ein besonderer Schwerpunkt meiner therapeutischen Arbeit liegt auf der Exposition mit Reaktionsmanagement und dem Abbau aufrechterhaltender Sicherheits- und Vermeidungsstrategien.

Zu Beginn der Behandlung untersuchen wir gemeinsam, welche aussehensbezogenen Befürchtungen bestehen, welche Situationen vermieden werden und welche Bedeutung das eigene Aussehen für den Selbstwert und das persönliche Erleben hat.

Auf dieser Grundlage entwickeln wir ein individuelles Behandlungskonzept. Neben der Exposition können die Veränderung aussehensbezogener Bewertungen, die Arbeit an der Körperwahrnehmung sowie die Bearbeitung von Scham, Selbstkritik und belastenden biografischen Erfahrungen Bestandteil der Therapie sein.

Ziel ist es, die intensive Beschäftigung mit dem eigenen Aussehen zu reduzieren, wieder mehr Freiheit im Alltag zu gewinnen und ein Leben zu gestalten, das weniger von Kontrolle, Vermeidung und der Angst vor negativer Bewertung bestimmt wird. 

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