Krankheitsangst und Hypochondrie verstehen und behandeln

Körperliche Beschwerden oder ungewöhnliche Empfindungen können Sorgen um die eigene Gesundheit auslösen. Bei ausgeprägter Krankheitsangst werden selbst harmlose Körperempfindungen häufig als Hinweis auf eine schwere Erkrankung interpretiert. Wiedereholte Kontrollen, medizinische Rückversicherung und die Suche nach Symptomen im Internet können die Ängste langfristig verstärken.

In meiner Privatpraxis in Berlin-Mitte behandele ich Krankheitsangst und Hypochondrie verhaltenstherapeutisch mit einem besonderen Schwerpunkt auf Expositionstherapie und dem Abbau von Sicherheitsverhalten.

Krankheitsangst und Hypochondrie verstehen und behandeln

Symptome, Ursachen und Behandlung

Krankheitsangst kann dazu führen, dass körperliche Veränderungen, Beschwerden oder ungewöhnliche Empfindungen als Hinweise auf eine schwere Erkrankung wahrgenommen werden. Betroffene beschäftigen sich häufig intensiv mit ihrer Gesundheit, beobachten ihren Körper, suchen nach medizinischer Gewissheit oder vermeiden Situationen, die ihre Befürchtungen verstärken könnten.

In meiner Privatpraxis für Psychotherapie in Berlin-Mitte behandle ich Krankheitsängste mit Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Expositionstherapie und dem Abbau von Kontroll-, Rückversicherungs- und Vermeidungsverhalten.

 

Was ist Krankheitsangst?

Wenn die Sorge um die Gesundheit den Alltag bestimmt

Fast jeder Mensch kennt die Sorge, ernsthaft krank zu sein. Ein ungewöhnliches Körpergefühl, ein auffälliger Befund oder eine Erkrankung im persönlichen Umfeld können vorübergehend Ängste auslösen. Solche Reaktionen sind zunächst verständlich und können dazu beitragen, gesundheitliche Veränderungen ernst zu nehmen.

Bei ausgeprägter Krankheitsangst nimmt die Beschäftigung mit möglichen Erkrankungen jedoch zunehmend Raum ein. Selbst nach unauffälligen Untersuchungen oder ärztlicher Entwarnung gelingt es häufig nur kurzfristig, sich zu beruhigen. Schon bald entstehen neue Zweifel: „Was, wenn etwas übersehen wurde?“ oder „Vielleicht war die Untersuchung doch nicht ausreichend.“

Der Begriff Hypochondrie wird umgangssprachlich häufig verwendet, kann jedoch abwertend wirken. Krankheitsangst bedeutet nicht, dass Betroffene sich Beschwerden einbilden oder körperliche Empfindungen nicht real wären. Vielmehr werden tatsächliche Körperempfindungen oder mögliche gesundheitliche Risiken als besonders bedrohlich bewertet.

Krankheitsangst kann als eigenständige psychische Störung auftreten, aber auch im Zusammenhang mit anderen psychischen Erkrankungen oder tatsächlichen körperlichen Erkrankungen bestehen.

Wie zeigt sich Krankheitsangst?

Krankheitsängste können sehr unterschiedliche Formen annehmen. Manche Menschen suchen häufig ärztliche Untersuchungen auf, andere vermeiden medizinische Termine aus Angst vor einer möglichen Diagnose.

Typische Anzeichen sind beispielsweise:

  • die wiederkehrende Befürchtung, an einer schweren Erkrankung zu leiden
  • intensive Beobachtung von Körperempfindungen und möglichen Krankheitssymptomen
  • häufiges Abtasten, Messen oder Kontrollieren des Körpers
  • wiederholtes Recherchieren von Symptomen und Erkrankungen im Internet
  • das Einholen von Rückversicherung bei Ärzten, Angehörigen oder anderen Personen
  • Schwierigkeiten, unauffällige Untersuchungsergebnisse als ausreichend beruhigend zu erleben
  • starke Angst bei körperlichen Veränderungen, etwa Herzklopfen, Schwindel oder Schmerzen
  • Vermeidung medizinischer Informationen, Untersuchungen oder bestimmter Situationen
  • gedankliches Durchspielen möglicher Diagnosen und Krankheitsverläufe
  • erhebliche Einschränkungen im Alltag durch die Beschäftigung mit der eigenen Gesundheit

Nicht alle Betroffenen zeigen dieselben Verhaltensweisen. Manche kontrollieren ihren Körper ständig, während andere versuchen, möglichst wenig über Krankheiten zu erfahren. Beide Strategien können dem Versuch dienen, mit der Angst umzugehen.

 

Warum fühlen sich körperliche Symptome so bedrohlich an?

Unser Körper verändert sich ständig. Herzschlag, Atmung, Verdauung, Muskelspannung und zahlreiche andere körperliche Vorgänge unterliegen natürlichen Schwankungen. Viele dieser Empfindungen werden im Alltag kaum wahrgenommen.

Bei ausgeprägter Krankheitsangst richtet sich die Aufmerksamkeit dagegen besonders stark auf mögliche körperliche Auffälligkeiten.

Ein kurzes Herzstolpern, ein Druckgefühl im Kopf oder eine ungewohnte Empfindung kann dann die Befürchtung auslösen, ernsthaft krank zu sein.

Die Angst selbst führt häufig zu weiteren körperlichen Reaktionen. Beispielsweise können Herzfrequenz, Muskelspannung oder die Wahrnehmung körperlicher Empfindungen zunehmen. Diese Veränderungen werden möglicherweise erneut als Hinweise auf eine Erkrankung interpretiert.

Dadurch entsteht ein Kreislauf, in dem sich körperliche Wahrnehmung und Angst gegenseitig verstärken.

Entscheidend ist dabei nicht, dass die körperlichen Empfindungen eingebildet wären. Vielmehr erhalten sie eine besonders bedrohliche Bedeutung.

 

Der Teufelskreis der Krankheitsangst

Krankheitsangst wird häufig durch bestimmte Denk- und Verhaltensmuster aufrechterhalten.

Am Anfang steht beispielsweise eine körperliche Empfindung oder eine Information über eine Erkrankung. Diese wird als Hinweis auf eine mögliche gesundheitliche Gefahr bewertet.

Die Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend auf den Körper. Betroffene beginnen möglicherweise, Symptome zu kontrollieren, im Internet zu recherchieren, Angehörige zu befragen oder ärztliche Rückversicherung einzuholen.

Wenn sich die Befürchtung zunächst nicht bestätigt, lässt die Angst häufig nach.

Diese Erleichterung ist jedoch oft nur vorübergehend.

Beim nächsten ungewöhnlichen Körpergefühl entsteht erneut Unsicherheit. Da die vorherige Beruhigung durch Kontrolle oder Rückversicherung erreicht wurde, erscheint es notwendig, dieselben Strategien erneut anzuwenden.

Körperliche Empfindung – bedrohliche Bewertung – Angst – Körperbeobachtung, Kontrolle oder Rückversicherung – kurzfristige Erleichterung – erneute Unsicherheit.

Was kurzfristig Sicherheit vermittelt, kann langfristig dazu beitragen, dass die Krankheitsangst bestehen bleibt.

 

Warum helfen ärztliche Untersuchungen meist nur kurzfristig?

Medizinische Untersuchungen sind wichtig, wenn Beschwerden fachlich abgeklärt werden müssen. Auch Menschen mit Krankheitsangst können selbstverständlich körperlich erkranken.

Bei ausgeprägter Krankheitsangst entsteht jedoch häufig das Bedürfnis nach einer Sicherheit, die medizinische Untersuchungen grundsätzlich nicht vollständig herstellen können.

Ein unauffälliger Befund beantwortet möglicherweise die ursprüngliche Frage. Gleichzeitig entstehen neue Zweifel: „War die Untersuchung zuverlässig?“, „Ist die Erkrankung vielleicht noch nicht erkennbar?“ oder „Was ist, wenn inzwischen etwas Neues entstanden ist?“

Das Problem liegt dann nicht unbedingt in einer unzureichenden Untersuchung, sondern darin, dass die Suche nach absoluter Gewissheit selbst zum Bestandteil der Angst geworden ist.

Ein wichtiges therapeutisches Ziel besteht deshalb darin, zwischen angemessener medizinischer Vorsorge und angstgeleitetem Kontroll- und Rückversicherungsverhalten unterscheiden zu lernen.

 

Welche Rolle spielen Googeln und Körperkontrolle?

Das Internet ermöglicht einen schnellen Zugang zu medizinischen Informationen. Bei Krankheitsangst kann die wiederholte Suche nach Symptomen und möglichen Diagnosen jedoch zu einem eigenständigen Problem werden.

Wer beispielsweise wegen leichter Kopfschmerzen nach möglichen Ursachen sucht, stößt möglicherweise auch auf Informationen über seltene schwere Erkrankungen. Die Aufmerksamkeit richtet sich dann zunehmend auf bedrohliche Erklärungen.

Ähnliches gilt für die wiederholte Kontrolle des Körpers (Bodychecking). Je intensiver eine bestimmte Körperregion beobachtet, abgetastet oder überprüft wird, desto mehr Empfindungen können auffallen.

Die Suche nach Sicherheit kann dadurch neue Unsicherheit erzeugen.

In der Psychotherapie wird deshalb untersucht, welche Funktion diese Verhaltensweisen erfüllen und wie sich der Umgang mit körperlicher Unsicherheit verändern lässt.

 

Wie entsteht Krankheitsangst?

Für die Entwicklung ausgeprägter Krankheitsängste gibt es meist nicht die eine Ursache.

Eine Rolle spielen können beispielsweise eigene Erkrankungserfahrungen, schwere Erkrankungen oder Todesfälle im persönlichen Umfeld, frühe Erfahrungen mit gesundheitlicher Bedrohung oder eine erhöhte Sensibilität für körperliche Veränderungen.

Auch bestimmte Überzeugungen können bedeutsam sein:

  • „Wenn ich meinen Körper nicht genau beobachte, übersehe ich möglicherweise etwas Gefährliches.“
  • „Ich muss sicher wissen, dass ich gesund bin.“
  • „Wenn ich ein Symptom bemerke, muss ich sofort herausfinden, was dahintersteckt.“
  • „Unsicherheit über meine Gesundheit kann ich nicht aushalten.“

Solche Überzeugungen können vor dem Hintergrund früherer Erfahrungen nachvollziehbar entstanden sein. Problematisch werden sie insbesondere dann, wenn sie zu einer dauerhaften Überwachung des Körpers und zu immer neuen Versuchen führen, gesundheitliche Sicherheit herzustellen.

In der Psychotherapie kann deshalb auch untersucht werden, welche persönlichen Erfahrungen und Bedeutungen mit der Angst vor Erkrankungen verbunden sind.

 

Wie wird Krankheitsangst psychotherapeutisch behandelt?

Die kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den wissenschaftlich gut untersuchten Behandlungsverfahren bei ausgeprägter Krankheitsangst.

Zu Beginn der Behandlung wird gemeinsam analysiert, welche Situationen, Körperempfindungen oder Gedanken die Angst auslösen. Dabei wird auch untersucht, welche Befürchtungen entstehen und wie Betroffene versuchen, mit ihnen umzugehen.

Ein wichtiger Bestandteil ist die Arbeit an bedrohlichen Bewertungen körperlicher Empfindungen und an Überzeugungen über Krankheit, Sicherheit und die eigene Fähigkeit, Unsicherheit zu bewältigen.

Entscheidend ist jedoch häufig auch die Veränderung der aufrechterhaltenden Verhaltensweisen.

Dazu gehören insbesondere übermäßige Körperkontrolle, wiederholte Rückversicherung, symptombezogene Internetrecherchen und Vermeidung.

 

Expositionstherapie bei Krankheitsangst

Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung kann die Expositionstherapie sein.

Dabei setzen sich Betroffene gezielt mit Situationen, Gedanken oder Körperempfindungen auseinander, die bisher starke Krankheitsängste ausgelöst haben.

Das kann beispielsweise bedeuten, körperliche Empfindungen wahrzunehmen, ohne sie anschließend wiederholt zu überprüfen, medizinische Informationen nicht reflexartig zur Beruhigung zu recherchieren oder alltägliche Aktivitäten wieder aufzunehmen, die aus Angst vor einer Erkrankung vermieden wurden.

Auch die gedankliche Auseinandersetzung mit gefürchteten Krankheitsszenarien kann therapeutisch sinnvoll sein.

Entscheidend ist dabei der Abbau der bisherigen Sicherheitsstrategien.

Exposition bedeutet nicht, tatsächliche gesundheitliche Risiken zu ignorieren oder medizinisch notwendige Untersuchungen zu unterlassen. Die Übungen werden individuell geplant und berücksichtigen die medizinische Situation.

Neue Lernerfahrungen statt vollständiger Sicherheit

Das Ziel einer Exposition besteht nicht einfach darin, möglichst lange Angst auszuhalten, bis sie verschwindet.

Entscheidend sind neue Lernerfahrungen.

Eine Person kann beispielsweise lernen:

  • „Ich kann eine Körperempfindung wahrnehmen, ohne sie sofort kontrollieren zu müssen.“
  • „Ich kann Unsicherheit über meine Gesundheit erleben, ohne unmittelbar nach Rückversicherung zu suchen.
  • „Nicht jede ungewöhnliche Empfindung erfordert eine ausführliche gedankliche Beschäftigung.“
  • „Ich kann meinen Alltag gestalten, auch wenn ich nicht jede gesundheitliche Möglichkeit ausschließen kann.“

Dadurch kann sich langfristig der Umgang mit körperlichen Empfindungen, gesundheitlichen Befürchtungen und Unsicherheit verändern.

Das Ziel besteht nicht darin, die eigene Gesundheit unwichtig zu finden oder niemals wieder Angst vor einer Erkrankung zu haben.

Vielmehr soll die Sorge um die Gesundheit nicht länger bestimmen, wie viel Zeit mit Kontrollieren, Recherchieren, Rückversicherung oder Vermeidung verbracht wird.

 

Psychotherapie bei Krankheitsangst und Hypochondrie in Berlin

In meiner psychotherapeutischen Privatpraxis in Berlin-Mitte behandle ich Erwachsene mit ausgeprägten Krankheitsängsten auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie.

Zu Beginn wird gemeinsam untersucht, wie die individuelle Krankheitsangst entstanden ist und wodurch sie heute aufrechterhalten wird. Welche körperlichen Empfindungen lösen Befürchtungen aus? Welche Erkrankungen werden besonders gefürchtet? Welche Rolle spielen Körperbeobachtung, Rückversicherung, Internetrecherchen oder Vermeidung?

Auf dieser Grundlage wird ein individuelles Behandlungskonzept entwickelt. Neben der Arbeit an krankheitsbezogenen Bewertungen und Befürchtungen bildet insbesondere die Exposition mit dem Abbau von Sicherheitsverhalten einen wichtigen Bestandteil der Behandlung.

Dabei geht es nicht darum, körperliche Beschwerden zu bagatellisieren oder berechtigte gesundheitliche Sorgen grundsätzlich infrage zu stellen. Ziel ist vielmehr, einen angemessenen Umgang mit medizinischen Risiken zu entwickeln und gleichzeitig die übermäßige Beschäftigung mit möglichen Erkrankungen zu reduzieren.

Langfristig soll es wieder möglich werden, körperliche Empfindungen wahrzunehmen, ohne dass sie den Alltag beherrschen, und ein selbstbestimmtes Leben zu führen, auch wenn gesundheitliche Sicherheit niemals vollständig garantiert werden kann. 

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