Angststörungen und Panikattacken verstehen und behandeln
Angst ist zunächst eine normale und wichtige Reaktion unseres Körpers. Wird sie jedoch sehr stark, tritt sie immer wieder ohne tatsächliche Gefahr auf oder beginnt sie, den Alltag einzuschränken, kann eine Angststörung vorliegen. Panikattacken können dabei mit intensiver Angst und ausgeprägten körperlichen Symptomen einhergehen.
In meiner Privatpraxis in Berlin-Mitte behandele ich Angststörungen und Panikattacken verhaltenstherapeutisch mit einem besonderen Schwerpunkt auf Expositionstherapie.
Was sind Angststörungen?
Symptome, Ursachen und Behandlung
Angst ist zunächst eine normale und wichtige Reaktion. Sie hilft uns, Gefahren wahrzunehmen und schnell zu reagieren. Bei einer Angststörung tritt Angst jedoch in Situationen auf, die objektiv nicht oder nur wenig gefährlich sind, oder sie nimmt ein Ausmaß an, das den Alltag zunehmend einschränkt. Betroffene beginnen häufig, bestimmte Situationen zu vermeiden, sich stark abzusichern oder ihren Alltag nach der Angst auszurichten.
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und sind in der Regel gut behandelbar. In der Psychotherapie geht es nicht darum, Angst vollständig zu beseitigen. Ziel ist vielmehr, einen anderen Umgang mit Angst zu entwickeln, Vermeidung und Sicherheitsverhalten abzubauen und wieder mehr Freiheit im eigenen Alltag zu gewinnen.
Welche Angststörungen gibt es?
Angststörungen können sehr unterschiedlich aussehen. Gemeinsam ist ihnen, dass Angst und die Reaktionen darauf zunehmend das Erleben und Verhalten bestimmen.
- Panikstörung: Wiederkehrende Panikattacken treten scheinbar unerwartet auf. Häufig entwickelt sich zusätzlich eine ausgeprägte Angst vor weiteren Attacken.
- Agoraphobie: Bestimmte Orte oder Situationen werden gefürchtet, weil eine Flucht schwierig erscheinen oder im Fall starker Angst keine schnelle Hilfe verfügbar sein könnte.
- Generalisierte Angststörung: Anhaltende und schwer kontrollierbare Sorgen beziehen sich auf unterschiedliche Lebensbereiche, beispielsweise Gesundheit, Familie, Arbeit oder Zukunft. Häufig gehen sie mit innerer Anspannung, Unruhe und dem Gefühl einher, gedanklich kaum abschalten zu können.
- Soziale Angststörung: Im Mittelpunkt steht die Angst, von anderen negativ bewertet, abgelehnt oder bloßgestellt zu werden.
- Spezifische Phobien: Die Angst richtet sich auf bestimmte Situationen oder Reize, beispielsweise Tiere, Höhen, Autofahren, medizinische Eingriffe oder Erbrechen. (Eine ausgeprägte Angst vor dem Erbrechen wird als Emetophobie bezeichnet.)
Wie äußert sich eine Angststörung?
Angststörungen zeigen sich nicht nur durch körperliche Angstsymptome. Angst beeinflusst gleichzeitig Gedanken, Gefühle, körperliche Reaktionen, Aufmerksamkeit und Verhalten. Welche Ebene im Vordergrund steht, unterscheidet sich je nach Angststörung und von Person zu Person.
Gedanken und Befürchtungen
Typisch sind Gedanken, in denen eine mögliche Gefahr überschätzt und die eigene Fähigkeit, mit ihr umzugehen, unterschätzt wird. Bei einer Panikstörung kann beispielsweise die Befürchtung entstehen, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden oder körperlich ernsthaft erkrankt zu sein. Bei sozialer Angst stehen mögliche negative Bewertungen durch andere im Vordergrund. Bei einer generalisierten Angststörung sind es häufig wiederkehrende Sorgen über unterschiedliche Lebensbereiche. Viele Betroffene beschäftigen sich zudem schon lange vor einer Situation damit, was möglicherweise passieren könnte.
Gefühle
Neben akuter Angst oder Panik können Nervosität, innere Anspannung, Unsicherheit und ein dauerhaftes Gefühl von Bedrohung auftreten. Bei sozialer Angst spielen häufig auch Scham und starke Selbstunsicherheit eine Rolle. Angst muss dabei nicht immer als intensive Panik erlebt werden: Gerade bei chronischen Sorgen kann sie sich eher als anhaltende innere Unruhe und Unfähigkeit, gedanklich abzuschalten, zeigen.
Körperliche Reaktionen
Die Aktivierung des körpereigenen Alarmsystems kann eine Vielzahl körperlicher Symptome auslösen. Dazu gehören beispielsweise:
- Herzklopfen oder beschleunigter Herzschlag
- Kurzatmigkeit, Engegefühl oder beschleunigte Atmung
- Schwindel, Benommenheit oder Unsicherheitsgefühle
- Zittern, Schwitzen, Hitzewallungen oder Frösteln
- Übelkeit, Bauchbeschwerden oder andere Magen-Darm-Symptome
- Muskelanspannung, Kopfschmerzen oder Erschöpfung
- Gefühle von Unwirklichkeit oder Entfremdung (Derealisation oder Depersonalisation)
Besonders bei Panikattacken können diese Reaktionen sehr plötzlich und intensiv auftreten. Werden körperliche Empfindungen selbst als gefährlich interpretiert, kann sich die Angst innerhalb kurzer Zeit weiter verstärken.
Aufmerksamkeit und Wahrnehmung
Angst verändert auch, worauf Menschen ihre Aufmerksamkeit richten. Mögliche Gefahren werden schneller wahrgenommen, während beruhigende oder widersprechende Informationen leichter in den Hintergrund treten. Manche Betroffene beobachten ihren Körper sehr genau, andere prüfen ständig ihre Umgebung oder die Reaktionen anderer Menschen. Diese erhöhte Wachsamkeit kann dazu führen, dass mehr scheinbare Hinweise auf Gefahr entdeckt werden - und die Angst dadurch zusätzlich plausibel erscheint.
Vermeidung und Sicherheitsverhalten
Besonders wichtig für das Verständnis von Angststörungen ist das Verhalten. Gefürchtete Situationen werden möglicherweise ganz vermieden, frühzeitig verlassen oder nur unter bestimmten Bedingungen aufgesucht. Andere Betroffene bewältigen sie zwar, nutzen dabei jedoch Sicherheitsstrategien: Sie lassen sich begleiten, kontrollieren ständig körperliche Symptome, suchen wiederholt Rückversicherung, planen Fluchtmöglichkeiten, tragen bestimmte Hilfsmittel bei sich oder versuchen, jede Unsicherheit im Voraus auszuschließen. Solche Strategien sind nachvollziehbar und reduzieren die Angst häufig kurzfristig. Langfristig können sie jedoch verhindern, dass neue Erfahrungen gemacht werden. Die Überzeugung, die Situation sei tatsächlich gefährlich oder nur mithilfe der Sicherheitsstrategie zu bewältigen, bleibt dadurch bestehen.
Wie entstehen Angststörungen?
Auch bei Angststörungen gibt es meist nicht die eine Ursache. Biologische Voraussetzungen, Lernerfahrungen, belastende Lebensereignisse, persönliche Bewertungen und aktuelle Belastungen können zusammenwirken. Entscheidend für die Behandlung ist häufig weniger die Frage, wodurch die Angst ursprünglich entstanden ist, als die Frage, was sie heute aufrechterhält.
Ein zentraler Mechanismus ist dabei häufig Vermeidung oder der Versuch, Unsicherheit möglichst vollständig zu kontrollieren. Wird eine gefürchtete Situation vermieden, durch Sicherheitsverhalten abgesichert oder werden Sorgen immer wieder gedanklich überprüft, kann dies kurzfristig entlasten. Langfristig kann gerade diese Entlastung dazu beitragen, dass Angst und Sorgen bestehen bleiben.
Der Teufelskreis der Angst
Angst beginnt häufig mit einem Auslöser: einer Situation, einem körperlichen Gefühl oder einem Gedanken. Dieser wird als bedrohlich bewertet. Der Körper reagiert mit Aktivierung, die Aufmerksamkeit richtet sich stärker auf mögliche Gefahr, und die körperlichen Empfindungen werden intensiver wahrgenommen. Werden diese wiederum als Zeichen einer drohenden Katastrophe interpretiert, verstärkt sich die Angst weiter.
Auslöser - bedrohliche Bewertung - körperliche Angstreaktion - verstärkte Aufmerksamkeit - zunehmende Angst - Vermeidung oder Sicherheitsverhalten.
Die kurzfristige Erleichterung durch Vermeidung oder Absicherung kann den Kreislauf langfristig stabilisieren. Die korrigierende Erfahrung, dass die Situation bewältigt werden kann und Befürchtungen nicht zwangsläufig eintreten, bleibt aus.
Wie werden Angststörungen psychotherapeutisch behandelt?
Die kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den wissenschaftlich sehr gut untersuchten Verfahren zur Behandlung von Angststörungen. Die Behandlung wird an die jeweilige Angstproblematik und die individuellen aufrechterhaltenden Faktoren angepasst.
Bei Panikstörung, Agoraphobie und spezifischen Phobien ist die Expositionstherapie häufig ein zentraler Bestandteil. Dabei setzen sich Betroffene gezielt mit gefürchteten Situationen oder Empfindungen auseinander, anstatt ihnen auszuweichen. Entscheidend ist nicht, Angst möglichst schnell zu reduzieren. Vielmehr können neue Erfahrungen entstehen: Angst darf vorhanden sein, muss nicht kontrolliert werden und eine befürchtete Katastrophe tritt nicht zwangsläufig ein.
Bei einer generalisierten Angststörung können unter anderem der Umgang mit anhaltendem Sorgen, die Veränderung von Überzeugungen über Sorgen, ein anderer Umgang mit Unsicherheit und der Abbau von Rückversicherungs- und Kontrollstrategien im Mittelpunkt stehen. Je nach Problematik können zusätzlich bedrohliche Bewertungen sowie individuelle biografische oder zwischenmenschliche Muster bearbeitet werden.
Psychotherapie bei Angststörungen und Panikattacken in Berlin
In meiner psychotherapeutischen Praxis in Berlin-Mitte behandle ich Erwachsene mit Angststörungen, darunter Panikstörung, Agoraphobie, generalisierte Angststörung und spezifische Phobien wie Emetophobie, auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der konkreten Arbeit mit Vermeidung und Sicherheitsverhalten sowie auf individuell geplanten Expositionsübungen.
Ziel der Behandlung ist nicht ein Leben ohne Angst. Vielmehr geht es darum, dass Angst ihren bestimmenden Einfluss verliert und Situationen wieder danach entschieden werden können, was einem Menschen wichtig ist - und nicht danach, was die Angst erlaubt.
